Vetsera Grab
(Tragödie von Mayerling)

Marie Alexandrine Freiin von Vetsera (1871-1889)

Baronesse, Todesgefährtin des Kronprinzen Rudolf von Österreich; geboren am 19. 3. 1871 in Wien, gestorben am 30. 1. 1889 in Mayerling. Mary's Eltern waren Albin Freiherr von Vetsera und Baronin Helene Vetsera, geb. Freifrau von Baltazzi. Mary's Bruder Ladislaus (Laczi) kam 1881 beim Ringtheaterbrand ums Leben.

Bei Pferderennen in Baden-Baden lernte Mary angeblich den Prinzen von Wales (den späteren König Eduard VII. von England) kennen, der sie später am Rennplatz in der Wiener Freudenau dem mit ihm befreundeten Kronprinzen Rudolf von Österreich, dem einzigen Sohn Kaiser Franz Joseph I., vorstellte.

Ab 5.11.1888 gab es dann mehrere Zusammentreffen zwischen Mary und dem Kronprinzen, zuletzt im Jagdschloß Mayerling, wo sie am Morgen des 30. Jänner 1889 neben Rudolf erschossen aufgefunden wurde.

Am späten Abend des 31. Jänner wurde Mary, angekleidet mit Pelzmantel und Hut, von 2 Verwandten (Georg Graf Stockau und Alexander Baltazzi) halbliegend in einer Kutsche auf den Ortsfriedhof in Heiligenkreuz überführt, in der Totenkammer über Nacht aufgebahrt und am Morgen des 1. Februar 1889 bei Sturm und Regen in einem eilig ausgehobenen Erdgrab in einem einfachen Holzsarg bestattet. Dieses Grab befand sich an der westlichen Friedhofsmauer in der Nähe des alten Einganges, ca. 20 m nördlich der Totenkammer. Die kirchliche Einsegnung nahm Stiftsprior P.Malachias Dedic vor.

Am 16.5.1889 wurde Mary samt dem Holzsarg in einen prunkvollen Kupfersarg umgebettet und in der neuen Gruft, die ihre Mutter bauen ließ, beigesetzt.

Bald wurde die Gruft das Ziel zahlloser Besucher aus vielen Ländern und die Blätter des an der Gruft gepflanzten Efeus fanden ihren Weg in die ganze Welt (Bericht des Abtes Dr. Gregor Pöck).

Im Frühjahr 1945 wurde die Gruft von russischen Soldaten geöffnet und der Kupfersarg mit einer Gartenhaue aufgebrochen. Totengräber Alois Klein fand später den Schädel neben dem aufgebrochenen Sarg.

Am 7. Juli 1959 Umbettung der Gebeine in einen neuen Metallsarg aus Zinn, auf Betreiben einer begüterten Frau aus Triest, deren Großvater Leibjäger bei Kaiser Franz Joseph war, im Beisein von Heinrich Baltazzi jun. Die Einsegnung erfolgte durch Kaplan P.Gerhard Hradil. Im Sommer des Jahres 1992 wurde der Sarg mit den sterblichen Überresten Mary's unbemerkt bei Nacht vom Linzer Möbelhändler Helmut Flatzelsteiner mit 2 Komplicen aus dem Grab geraubt. Er ließ das Skelett sowie die Kleider und Haare der Toten von Experten untersuchen. Im Dezember d.J. wurde der Sarg mit den Gebeinen in einem Möbellager in Wien von der Polizei sichergestellt.

Daraufhin wurde am 22. 12. 1992 Mary's Gruft im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien im Beisein von TV-Teams aus aller Welt geöffnet und ein leeres Grab gefunden. Die weitere Untersuchung des Skeletts brachte das Ergebnis, dass Mary Vetsera durch einen Schuss in den Schädel starb. Es gilt daher als erwiesen, daß Kronprinz Rudolf am 30.1.1889 Mary mit seinem Armeerevolver erschoss und dann Selbstmord beging.

Am frühen Morgen des 28.10.1993 wurde Mary Vetsera in einem neuen Metallsarg in aller stille wieder beigesetzt und die Gruft mit Erde aufgefüllt, um einer neuerlichen Schändung vorzubeugen. Die Einsegnung nahm Abt Gerhard Hradil vor.

Grabmal: Von einem Marmorkreuz bekrönter Bruchsteinsockel mit Gedenktafel; Inschrift: "MARY, FREIIN V.VETSERA - GEB.19.MÄRZ 1871 - GEST.30.JÄNNER 1889" und Spruch aus dem Buche Job "Wie eine Blume sprosst der Mensch auf und wird gebrochen. Job 14.2.".

W. Richter

Letztes Begräbnis von Baronin Mary Vetsera am 28. Oktober 1993
Bilder von Herrn Ferry Paur zur Verfügung gestellt